Eine ad hoc Befragung der Bonner Marktforscher von EUPD Research unter deutschen Solarinstallateuren offenbart einen Markteinbruch in 2020. Der Hauptgrund dieses Rückgangs liegt allerdings weniger in der aktuellen Wirtschaftskrise aufgrund der Corona-Virus Pandemie, vielmehr zerstört eine falsche Gesetzgebung den Photovoltaikmarkt in Deutschland. Nach der Demontage der Windindustrie steht mit dem Einbruch der deutschen Solarbranche das Ende der Energiewende bevor.

Bonn. Die deutsche Energiewende feiert Geburtstag: vor 20 Jahren wurde mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ein stabiler Rahmen zum Ausbau klimafreundlicher Energieerzeugung geschaffen. Mit einem Anteil von 42 Prozent erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch Ende 2019 lässt sich der bisherige Erfolg des EEG eindrucksvoll beziffern. Das Jahr 2020 scheint nicht nur wegen der globalen Corona-Virus Krise ein Schicksalsjahr für die deutsche Energiewende zu werden.

Während sich im ersten Quartal des Jahres 2020 die positive Entwicklung der vergangenen Jahre im deutschen Solarmarkt fortsetzte, droht nun ein drastischer Rückgang insbesondere bei Gewerbe- und Industrieanlagen. Eine aktuell durch das Bonner Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmen EUPD Research durchgeführte Befragung von Solarinstallateuren zeigt eine überwiegend positive Geschäftsentwicklung zwischen Januar und März 2020. Während bei den Kleinanlagen bis 10 kWp auch im weiteren Jahresverlauf ein Absatzwachstum erwartet wird, sehen 31 Prozent bei Gewerbeanlagen und sogar 53 Prozent der befragten Installateure für Industrieanlagen einem Rückgang entgegen. Dies wird sich besonders drastisch auf den Solarmarkt in Deutschland auswirken, da Gewerbeanlagen mit 1,1 GW und Industrieanlagen mit 1,7 GW über 70 Prozent aller Neuinstallationen in 2019 umfassten.

Während weltweit Unternehmen unter den Auswirkungen der Corona-Virus Pandemie leiden, steht die deutsche Solarbranche vor der Herausforderung der hiesigen Gesetzeslage. Einst war das EEG Triebfeder und Basis eines nachhaltigen Marktwachstums. Mit der im Paragraph 49 Absatz 5 des EEG formulierten Zubaugrenze von 52 GW, dem so genannten „Solardeckel“, endet diese Erfolgsgeschichte abrupt. Wenngleich auch der Corona-Virus seine Spuren in der Solarbranche hinterlassen wird, ist der Einfluss des Solardeckels signifikant.

Die aktuellen Befragungsergebnisse von EUPD Research zeigen deutlich, dass der Einfluss des Solardeckels gegenüber den Effekten der Corona-Virus Pandemie in den Segmenten der Gewerbe- und Industrieanlagen doppelt so stark wahrgenommen wird. Einzig bei den Kleinanlagen für private Haushalte wird von den befragten Installateuren lediglich eine geringfügig stärkere Auswirkung des Solardeckels im Vergleich zum Einfluss des Corona-Virus festgestellt.

„Der politische Stillstand in der Abschaffung des Solardeckels ist ein weiterer Schritt zum Ende der deutschen Energiewende. Der Klimaschutz muss analog der Corona-Virus Pandemie als globale Herausforderung angenommen werden und ein direktes Handeln auslösen.“, kommentiert Markus A. W. Hoehner, CEO der EUPD Research die aktuellen Untersuchungsergebnisse.

Alexander Schütt, Geschäftsführer der BayWa r.e. Solar Energy Systems GmbH betont: „Das seit Monaten andauernde taktische Verhandlungsspiel innerhalb der Koalition darf nicht länger auf dem Rücken des Solarhandwerks fortgesetzt werden. Die Abschaffung des Solardeckels wurde bereits im September 2019 im Klimapaket beschlossen und sie ist unumgänglich, will man den betroffenen Handwerksbetrieben gerade in Zeiten von Corona eine langfristige Perspektive geben. Die Zeit drängt – tausende Existenzen und die Erreichung der 2030er-Ziele hängen daran.“
„Netzbetreiber wehren sich gegen Einsparungen durch modernste Speichertechnik und verbauen dem Bürger die Zukunft am Standort Deutschland. CO2-Einsparung durch PV und Speicher vor Ort für den Betrieb von Wärmepumpe und Elektroauto wird von Netzbetreibern mit Kohlestrom ersetzt.“, ergänzt Dr. Andreas Piepenbrink, Geschäftsführer der E3/DC GmbH die EUPD Analyse.

“Neben meiner Verantwortung für das Unternehmen möchte ich auch in meiner Rolle als BSW-Vorstandsmitglied eindringlich an die Bundesregierung appellieren den 52GW Deckel, den wir voraussichtlich bereits im Sommer erreichen, sofort zu entfernen. Wir brauchen die Unterstützung und ein schnelles Handeln der Regierung und nicht weitere Verzögerungen.

Es ist eine wichtige Entscheidung die sowohl die Industrie, Mittelständler als auch die Gesellschaft betrifft. Die Regierung muss jetzt handeln.”, führt Peter Thiele, President SHARP Energy Solutions Europe, aus.
Detlef Neuhaus, Geschäftsführer der SOLARWATT erklärt: „Mit dem PV-Deckel wird eine heimische Branche abgewürgt, die zu den Wachstumsmotoren der deutschen Industrie gehört und mehr als 100.000 Menschen Lohn und Brot verschafft. Unsere Auftragsbücher sind auch trotz Corona voll, wir benötigen keine Rettungspakete von der Politik sondern fordern nur, dass diese ihr bereits gegebenen Zusagen auch einhält.“

Diese aktuelle Marktanalyse von EUPD Research wird von führenden Vertretern der deutschen Solar- und Speicherbranche unterstützt: BayWa r.e., E3/DC, Sharp und SOLARWATT.